Das Angelmagazin „Blinker“ titelte am 28.10.2020 mit „Fehlbisse beim Plattfischangeln? Dieser Trick ist die Lösung!“ auf ihrer Webseite. Die Redaktion versteht offensichtlich nicht nur etwas von Crankbait, Creaturebait etc., sondern auch von Clickbait.

Der Kern des Artikels bzw. die Hypothese von Blinker: Plattfische attackieren meist das Kopfende von Wattwürmern, da diese sich beim Eingraben in den Meeresboden zunächst mit dem Kopf voran eingraben.

In der Folge würde ein Großteil der Fehlbisse beim Plattfischangeln auf die Attacken auf den Wattwurmkopf zurückzuführen sein, da der Haken sich meist im dünneren Schwanzende des Wattwurms befindet. Die Lösung dieses Problems sei eine Doppelhaken-Montage, bei der ein Haken im Kopfende und ein Haken im Schwanzende positioniert würde.

Eine Doppelhaken-Montage mit kurzschenkligen Haken soll die Fehlbissquote senken.

Ob diese Montage für das Bootsangeln, für das Brandungsangeln oder für beide Methoden geeignet ist, wird nicht erwähnt. Die Fotos lassen auf das Bootsangeln schließen. Der Argumentation nach müsste die Montage aber für beide Methoden vorteilhaft sein.

Zwar sind Plattfische sicherlich Sichtjäger, lassen sich zumindest aber durch optische Reize beeinflussen. Wie genau Sie eine Beute aber identifizieren können, halte ich für fraglich. Genauer gesagt, ob ein Plattfisch das Kopfende von dem Schwanzende unterscheiden kann, ist fraglich. Besonders, wenn der Wattwurm auf dem Haken gestaucht oder gestreckt ist und sich der Köder stark bewegt.

Ob es diese „Kopf-Attacken“ gibt, lässt sich mit Unterwasseraufnahmen nachweisen. Analysiert wurden sieben Unterwasseraufnahmen von YouTube, bei denen mit klassischen Plattfischmontagen (1-Haken), Wattwürmern und vom driftenden Boot aus geangelt wurde.

„Kopfattacken“ kommen vor, stellen aber nicht die Regel dar.

Insgesamt waren 25 Attacken zu erkennen, von denen 22 von hinten auf den Wattwurm ausgingen, nur 3 richteten sich gegen das obere „Kopfende“. Damit zeigt sich, dass die beschriebenen „Kopfattacken“ sehr selten sind und nicht zum gängigen Angriffsmuster von Plattfischen auf sich schnell bewegende Wattwürmer gehören. Gerade vom driftenden Boot erfolgen die Attacken in der Mehrzahl von hinten auf das hintere Ende des Wurms.

Ein Plattfisch attackiert den Wattwurm am oberen Ende.

Offen bleibt an dieser Stelle, wie sich die Attacken beim Brandungsangeln oder beim Angeln vom verankerten Boot darstellen, wenn der Köder weniger in Bewegung ist. Offen bleibt darüber hinaus, ob sich die Fehlbissquote durch eine Doppelhaken-Montage steigern lässt. Wie es sich mit Seeringelwürmern verhält, wurde in diesem Artikel nicht thematisiert.

Die kritische Überprüfung, die hier anhand von Unterwasseraufnahmen erfolgte, gilt es in der Praxis mit einer Unterwasserkamera im Test zu überprüfen.

Keinesfalls ist an Angel-Magazine ein wissenschaftlicher Anspruch zu legen. Sie bieten eine kurzweilige Unterhaltung und informieren durchaus über innovative Ideen. Doch manchmal sollten die Autoren ihre Ideen kritisch hinterfragen und prüfen, ob sich ihre Ideen belegen lassen. Gerade, wenn dies so einfach ist wie in diesem Fall. Interessanter wäre zu diesem Thema ein fundierter Artikel wie sich die Fehlbissquote beim Plattfischangeln tatsächlich reduzieren lässt (Aufmerksamkeit, Rutenhaltung, Driftgeschwindigkeit etc).

Schöne Feiertage und bleibt gesund!


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